Der rote Maler

Siggiko

Hier könnt ihr ein bisschen mehr über mich erfahren!
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Here you can learn a bit more about me!

 

Über mich [29.11.2019]

Für mich beginnt alles mit einem einzelnen Strich - sei es mit einem Bleistift oder Pinsel. Statt mit Farbenpracht zu blenden, bemühe ich mich, Lineart so zu gestalten, dass auch jeder Strich zur Struktur des Gesamtbilds beiträgt. Inspiration finde ich überall, aber einige KünstlerInnen bewundere ich immer wieder, wie zum Beispiel Albrecht Dürer, Arthur Rackham und Kamome Shirahama. Statt meinen Stil näher zu beschreiben, kann ein Blick auf mein Portfolio und meine aktuellen Projekte meinen Fokus auf »Precision of Line« verdeutlichen.


Darüber hinaus ist es an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass meine Bilder durch Interesse an der Geschichte motiviert sind. So ist nicht nur wie ich zeichne, sondern auch was ich zeichne ausschlaggebend für meinen Stil. 


Dabei meine ich aber nicht »Geschichte« im Sinne von »wie es eigentlich gewesen« ist, wie es einmal Leopold von Ranke als Aufgabe der Historiker formuliert hat. Obwohl ich sorgfältig Menschen, Orte und Ereignisse recherchiere, bevor ich meine eigenen historischen Geschichten erzähle, strebe ich bewusst nicht danach, “wahre” Geschichte zu erzählen. Erstens, weil ich mich der Kunst gewidmet habe, nicht der Geschichtsschreibung. Zweitens, weil eine möglichst “wahre” Historie oft nur durch das Hinzutun des Historikers eine passende Handlung für ein Story bieten kann. Und drittens, weil ich der Meinung bin, dass es sowieso unmöglich ist, objektiv Geschichte zu erzählen. So bin ich doch einem anderen Historiker, nämlich Hayden White, verpflichtet, wenn ich behaupte, dass Geschichte von der erzählenden Instanz immer beeinflusst wird. Außerdem gehe ich mit meiner künstlerischen Verarbeitung von geschichtlichem Stoff noch dezidiert einen Schritt weiter: ich versuche, möglichst spannende teil- oder ganz erfundene Storys mit historischen Tatsachen zu verweben, um euch zu unterhalten.


Diese Herangehensweise ist in meinen aktuellen Projekten nicht zu übersehen. Und dies wollte ich selbstverständlich nicht unkommentiert stehen lassen, denn solche historical fiction ist keine unreflektierte oder billige »Flucht« in die Vergangenheit. Sie ist auch kein gescheiterter Versuch, historisch akkurat zu sein. Stattdessen ist sie eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart, weil die erzählende Instanz - also ich in diesem Fall - in der Gegenwart lebt, denkt, schreibt, zeichnet. Man findet in der Geschichte immer wieder das, was man selber erlebt und rationalisieren kann. Und was man findet, das kann man in Wort und Bild umsetzen. 


Zugegeben, wenn ich etwas über »die Pest in Sachsen« erzähle, heißt es auf keinen Fall, dass ich selber eine ähnliche Epidemie überlebt habe. Aber unbewusst und auch wenn ich dagegen ankämpfe wird diese Geschichte von aktuellen Gesellschaftsängsten gesättigt, denen sonst in postapokalyptischen Settings etlicher zeitgenössischer Bücher, Filme und Videospiele nicht zu entkommen ist.* Gleichermaßen kann eine Geschichte über nationale Zugehörigkeitsgefühle im Deutschen Kaiserreich, wie etwa mein »Gurkenzauber« Projekt, nicht in einem Vakuum entstehen. Meine Arbeit über das Schicksal der Sorben in der Lausitz im 19. Jahrhundert, die sich eigentlich auf die Frage nach der Definition von sorbischer Identität in dieser Zeit beschränken möchte, wird zwangsläufig von Fragen der Integration im 21. Jahrhundert und demzufolge auch von heutigen Konzeptionen des »deutsch seins« geprägt. 


Demzufolge ist historical fiction keine Flucht in die Vergangenheit, sondern als das Zusammenspiel von heute und gestern zu betrachten.


Um somit zum Ausgangspunkt zurückzukommen: so soll auch mein Stil sein. Eindeutig ein Produkt des 21. Jahrhunderts, aber auch erkennbar an historischen Vorbildern orientiert.

*Inzwischen ist die Coronavirus-Pandemie ausgebrochen. [Stand 17.03.2020]

 

Artist Statement [29.11.2019]

For me, everything begins with a stroke - whether it be with a pencil or a brush. Rather than dazzle with color, I endeavor to make lineart wherein every stroke contributes to the texture of the whole picture. I find inspiration all over, but there are some artists whom I admire time and again such as Albrecht Dürer, Arthur Rackham and Kamome Shirahama. Rather than describe my style further, a look at my portfolio and my current projects can give you a better idea of my focus on “precision of line.”


Beyond that it is important to mention that my illustrations are motivated by an interest in history. As such not only is how I draw, but also what I draw decisive for my style.


However, I do not mean “History” in the sense of “how things really were,” as Leopold von Ranke once formulated it as the task of the historian. Although I diligently research people, places and events before I tell my own stories, I consciously do not strive to tell “true” stories. First, because I have dedicated myself to art, not the writing of history. Second, because the “truest” possible history can only offer a suitable plot arc for a story as a result of the intervening hand of the historian. And third, because I am of the opinion that it is impossible to recount history objectively anyway. Correspondingly, I am indebted to another historian, namely Hayden White, when I claim that history is always influenced by the narrative act. Moreover, I go decidedly yet another step further with my artistic treatment of historical material: I attempt to weave together wholly or partially invented stories with historical facts for the purpose of entertainment.


This approach cannot be overlooked in my current projects. And thus I did not want to leave this tendency uncommented, because such historical fiction is neither an unreflected nor cheap “escape” into the past. It is also not a failed attempt to be historically accurate. Rather, historical fiction is a confrontation with the present because the narrative instance - in this case, myself - lives, thinks, writes, draws in the present. What one finds in history is influenced by that which one has either personally experienced or can rationalize. And what one finds, that is what is transformed into word and image.


Admittedly, when I talk about “the plague in Saxony,” it does not mean in any sense that I have survived some kind of similar epidemic. But subconsciously and even if I fight against it, such a story will be saturated with contemporary societal fears such as those inherent in the post-apocalyptic settings of books, films and video games so popular today.* In the same way, a story about national belonging in the German Empire - such as my “Gurkenzauber” project - cannot arise in a vacuum. My work on the fate of Sorbs in Lusatia in the 19. century, which I would like to restrict as much as possible to the question of the definition of Sorbian identity in this period, will inevitably be shaped by questions of integration in the 21. century and thereby also by current conceptions of what it means to be German.


In light of these considerations, historical fiction is not an escape into the past, but should be viewed as the interplay between today and yesterday.


And thus to return to the starting point, such is also my style: unambiguously a product of the 21. century, but also recognizably modeled on historical examples.

*The coronavirus pandemic, however, has since broken out. [Dated 17.03.2020]